TAE / Gendlin - Historie
Eugene T. Gendlin, 1926 in Wien geboren, flüchtete 1938 mit seinen Eltern in die USA, wo sich die Familie in Chicago niederliess. Gendlin studierte an der dortigen Universität Philosophie. Carl Rogers, Begründer der Klientenzentrierten Psychotherapie, lehrte an derselben Universität Psychologie; er bezog Gendlin früh in seine Forschungsarbeiten ein. Gendlin blieb an der Universität und lehrte Phiolsophie. In Zusammenarbeit mit Rogers, dessen Nachfolger er später wurde, waren seine philosophischen wie auch psychologischen Veröffentlichungen bahnbrechend und wurden mehrfach ausgezeichnet. In den 70er Jahren bündelte sich sein theoretisches und praktisches Wisses in der Entwicklung von "Focusing". Gendlin lebt in New York, wo er mit seiner Frau zusammen dem Internationalen Focusing Institut vorsteht.
TAE ist ein von Gendlin entwickeltes, systematisches Verfahren der philosophischen Praxis. Für Gendlin ist Philosophie nicht ein Gegenstand, sondern ein prozesshaftes Tun, das jede Person praktizieren kann. Aufbauend auf die Philosophie von Heidegger, Wittgenstein, McKeon u.a. entstand ein körperbezogenes Philosophieren, mit dem über die Sprache hinaus gedacht werden kann. Sprache ist immer implizit in der menschlichen Erfahrung enthalten, die unmittelbare Erfahrung reicht jedoch über jede Sprach- und Kulturform hinaus. Was aus dem "Felt sense" heraus spricht, ist kein Abbild des Herkömmlichen, sondern eine Weiterentwicklung dessen, was man spürt und aussagen will.
Der Ursprung von TAE liegt in Gendlins langjährigen Kursen zur "Theorie-Konstruktion" an der Universität Chicago. Sie bestanden aus Philosophie und Logik und aus der Aufgabe, die Studierenden sollen sich dem in ihnen zuzuwenden, was sie zwar irgendwie "wissen", aber noch nicht formulieren können. Gendlin lehrte damit das Gegenteil des Üblichen: normalerweise zählt in unserer westlichen Kultur das, was klar ist. Er wertschätzte gerade das sprachlich "Noch nicht Klare", was neues, individuelles Wissen in sich trägt. Es war ihm ein Anliegen, der heutigen theoretischen Philosophie eine Praxis zurückzugeben.